"Eine wunderbare Reise ist entstanden." So werden Orph aus Weimar mit Rückblick aufs geschaffene Debütalbum und Vorraussicht, was der Hörer zu hören und zu sehen bekommt, beschrieben. Das Debüt Poems for Kui steht ab dem 18.Mai im Plattenladen und zeitgleich darauf starten Orph ihre kleine Deutschlandtour. Präsentiert unter anderem von abbreviated daylight. Nicht nur das, sondern auch die ersten Hörschnipsel, der Auftritt auf dem letztjährigen Reeperbahnfestival und das nah an Theatralik und Mythologie liegende Auftreten der Band, weckte Neugier und so stellte ich Sänger und Gitarrist Marco De Haunt ein paar Fragen zur Band und zur Musik.
Für diejenigen, die euch noch nicht kennen, stellt euch doch kurz mal vor. Wer ist Orph, woher
kommt Orph und was macht ihr für Musik?
Marco De Haunt: Orph das sind vor allem Hendrik Winter & Marco De Haunt aus Weimar. In der Livebesetzung kommen Cornelius vom Milchwald und Wieland Jubelt zur festen Besetzung hinzu. Die eigene Musik in ein Korsett aus erklärenden Worten zu schnüren ist oft unbefriedigend. Vielleicht bleiben wir einfach bei dem Wort "Musik". Denn diese liegt uns wirklich sehr am Herzen!
Als ich mich mit eurem Booker über eure Musik unterhalten habe, fragten wir uns, wie man Orph rein musikalisch beschreiben könnte. Wir mussten lange überlegen und ich glaube, an diesem Abend sind wir nicht so richtig zu einem Schluss gekommen. Außer, dass eure Musik ein großes Spektrum abdeckt und sehr vielschichtig, lautmalerisch ist, kraftvoll und poetisch gleichzeitig. Ist es in euren Augen eher ein Kompliment nicht direkt kategorisch abgewatscht zu werden (Schublade auf, Orph rein, Schublade zu) oder ist es euch egal wie die Hörerschaft euch einstuft?
Marco: Nun ich denke der Musikmarkt ist sehr aggressiv und kommerziell ausgerichtet. Der romantische Gedanke hat hier kaum Platz. Wir wollen schauen, dass wir diese Lücke finden! Dabei ist es erstmal weniger wichtig für unsere Arbeit, wie das für den Hörer von außen am Ende erscheint. Wichtig ist doch nur, daß letztlich aus unserem Schaffen und durch das Ohr des Zuhörers der Kosmos Orph entsteht. Das ist der wunderbarste Moment, der entstehen kann.
Welche Bedeutung und/oder welchen Ursprung hat der Name Orph?
Marco: Es ist ja immer schwierig mit Namen und deren Ursprung. Ich weiß noch, als ich an einem Abend vor 4 Jahren die Idee einer Band mit Hendrik Winter besiegelte, sprudelten in einem fort die Namen über den Tisch. Am Ende ist Orph übriggeblieben, warum weiß heute keiner mehr so genau. Ich glaube wir folgten dabei einem Gefühl. Denn noch war ja keine Note gespielt, unsere Musik existierte noch nicht. Aber ein Name! Und dieser gab uns eine erste Idee von dem, wie wir klingen wollten. Fragt man am Telefon nach unserem Namen, bemühe ich, um ein Fliegeralphabet zu umschiffen, auch gern den alten Orpheus ohne "eus"! Und die Leute denken dann, ah! - daher der Name. Aber wahr ist erstere Geschichte!
Euer am 18. Mai erscheinendes Debüt heißt Poems For Kui. Wer oder was ist Kui? Das Internet gab mir mehrere Möglichkeiten zur Auswahl: eine Figur aus der chinesichen Mytholgie, eine Figur aus einer Manga Serie, eine Sprache, eine japanische Stadt, die Abkürzung für Kinetic User Interface. Könnt ihr mich aufklären?
Marco: Der Kui kam im weitesten Sinne aus Neuseeland zu uns gereist! Meine Lebensgefährtin verbrachte einige Zeit auf der Insel und schickte mir eine wunderbare Postkarte. Darauf ein anmutiger Vogel als Holzschnitt. Kaum dass ich ihn sah, nannte ich ihn Kui! Erst einige Tage später schaffte dieser den Sprung zu Orph und den damit verwobenen Geschichten. Kui wurde allmählich mehr, als das was er augenscheinlich war. Wurde Land und Meer und tausend Farben...
Ihr vermittelt in eurem Auftreten, also vor allem durch Bandfotos, aber auch durch eure Musik eine gewisse Theatralik. Künstlerisch verbunden mit dem Theaterschauspiel, so macht es den Eindruck. Prächtige Gewänder und Verkleidungen im Stile der Romantik oder des Barock. Wo liegen da die Einflüsse? Spielt euer Herkunftsort Weimar da auch eine Rolle?
Marco: Das kann ich nicht so genau sagen. Ich für meinen Teil mache ja im wirklichen Leben tatsächlich auch Theater- und Bühnenmusik, von daher ist das bestimmt nicht soweit hergeholt. In unserer Musik vollziehen wir immer auch ein Stück weit eine Reise. Die einzelnen Songs können so als Kapitel einer »Fiktion« im musikalischen Sinne verstanden werden. Auf der visuellen Ebene illustrieren die Fotografien für uns dieses Moment. Dennoch wäre Orph in theatralisch-optischem Sinne ja eher bei sehr, sehr frühen Inszenierungen anzusiedeln. Was ich wiederum schon lustig finde. Also für uns ist es eher schön, daß man uns als Publikum so wahrnimmt! Weimar spielt da nur eine indirekte Rolle, obwohl diese Stadt in den frühen Orph-Tagen schon sehr mit uns verwoben war.
Wovon handeln eure Songs? Bleibt ihr eher in einer mythischen Welt oder werden auch persönliche Momente, Erfahrungen reflektiert?
Marco: Ich möchte das nicht so genau ordnen. Die zum Teil mythischen Welten, die wir in den Songs beschreiben, sind ja voll von persönlichen Wahrnehmungen und dadurch gesteuerte Fantasien. Alles um uns ist Bestandteil der Inszenierung und aufgeladen mit vielerlei Gedanken! Unsere Songs handeln von den Schatten, die unaufhaltsam und unentwegt von allem auf dieser Erde Befindlichen herabfallen. Dort gibt es noch das Unergründliche, den Raum für die große Geschichte.
Wie lange hat es letztendlich gedauert, bis euer Debütalbum Poems For Kui im Kasten war? Viele Songs klingen sehr aufwendig und durchdacht. Wie schwer ist es grade bei einem Debüt so viele Komponenten wie Streicher, Bläser oder elektronische Elemente unter einen Hut zu bekommen? Ist es möglich die Songs auch live so umzusetzen oder werden die Songs dann stückweise anders intoniert oder interpretiert?
Marco: Das Album wurde in mehreren Etappen aufgenommen. Ein Gesamtprozess von insgesamt fast 3 Jahren. Irrwitziger Weise sind natürlich auch genau dadurch andere Sounds, Instrumentierungen und Herangehensweisen entstanden, die das Album heute recht vielschichtig wirken lassen. Natürlich werden wir live Teile der Platte anders spielen und instrumentieren. Man schützt sich damit ja auch selbst ein Stück weit vor sich selbst! Ich glaub keine Band der Welt möchte am Ende wie das Playback ihrer eigenen Platte klingen.
Im Mai beginnt eure Tour durch Deutschland. Unter anderem tretet ihr auch auf dem Orange Blossom Special Festival in Beverungen auf. Ein besonderer Auftritt für euch? Immer wieder wird ja behauptet, es sei das Beste unter den kleinen Festivals.
Marco: Ja natürlich! Klar ist jede Vorstellung, die wir nun im Kontext der Plattenveröffentlichung spielen etwas besonderes. Das ergibt sich einfach aus dem Anlass. Aber ein Teil des Orange Blossom Festivals zu sein, ist doch ein magischer Punkt der Tour. Wir sind sehr gespannt!
Sicherlich seid ihr viel mit eurer eigenen Musik beschäftigt, aber was schallt neben Orph noch so durch eure Boxen?
Marco: Aktuell bei mir das neue Tindersticks Album The something rain. Ich mag auch gern den Klang sehr früher Klassikaufnahmen, oder wahlweise über ein kleines Transistorradio gehört.
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Und viel Erfolg für die kommenden Wochen und Monate.
Termine:
präsentiert von abbreviated daylight
Marco De Haunt: Orph das sind vor allem Hendrik Winter & Marco De Haunt aus Weimar. In der Livebesetzung kommen Cornelius vom Milchwald und Wieland Jubelt zur festen Besetzung hinzu. Die eigene Musik in ein Korsett aus erklärenden Worten zu schnüren ist oft unbefriedigend. Vielleicht bleiben wir einfach bei dem Wort "Musik". Denn diese liegt uns wirklich sehr am Herzen!
Orph - Lovesong for Kui
Als ich mich mit eurem Booker über eure Musik unterhalten habe, fragten wir uns, wie man Orph rein musikalisch beschreiben könnte. Wir mussten lange überlegen und ich glaube, an diesem Abend sind wir nicht so richtig zu einem Schluss gekommen. Außer, dass eure Musik ein großes Spektrum abdeckt und sehr vielschichtig, lautmalerisch ist, kraftvoll und poetisch gleichzeitig. Ist es in euren Augen eher ein Kompliment nicht direkt kategorisch abgewatscht zu werden (Schublade auf, Orph rein, Schublade zu) oder ist es euch egal wie die Hörerschaft euch einstuft?
Marco: Nun ich denke der Musikmarkt ist sehr aggressiv und kommerziell ausgerichtet. Der romantische Gedanke hat hier kaum Platz. Wir wollen schauen, dass wir diese Lücke finden! Dabei ist es erstmal weniger wichtig für unsere Arbeit, wie das für den Hörer von außen am Ende erscheint. Wichtig ist doch nur, daß letztlich aus unserem Schaffen und durch das Ohr des Zuhörers der Kosmos Orph entsteht. Das ist der wunderbarste Moment, der entstehen kann.
Welche Bedeutung und/oder welchen Ursprung hat der Name Orph?
Marco: Es ist ja immer schwierig mit Namen und deren Ursprung. Ich weiß noch, als ich an einem Abend vor 4 Jahren die Idee einer Band mit Hendrik Winter besiegelte, sprudelten in einem fort die Namen über den Tisch. Am Ende ist Orph übriggeblieben, warum weiß heute keiner mehr so genau. Ich glaube wir folgten dabei einem Gefühl. Denn noch war ja keine Note gespielt, unsere Musik existierte noch nicht. Aber ein Name! Und dieser gab uns eine erste Idee von dem, wie wir klingen wollten. Fragt man am Telefon nach unserem Namen, bemühe ich, um ein Fliegeralphabet zu umschiffen, auch gern den alten Orpheus ohne "eus"! Und die Leute denken dann, ah! - daher der Name. Aber wahr ist erstere Geschichte!
Euer am 18. Mai erscheinendes Debüt heißt Poems For Kui. Wer oder was ist Kui? Das Internet gab mir mehrere Möglichkeiten zur Auswahl: eine Figur aus der chinesichen Mytholgie, eine Figur aus einer Manga Serie, eine Sprache, eine japanische Stadt, die Abkürzung für Kinetic User Interface. Könnt ihr mich aufklären?
Marco: Der Kui kam im weitesten Sinne aus Neuseeland zu uns gereist! Meine Lebensgefährtin verbrachte einige Zeit auf der Insel und schickte mir eine wunderbare Postkarte. Darauf ein anmutiger Vogel als Holzschnitt. Kaum dass ich ihn sah, nannte ich ihn Kui! Erst einige Tage später schaffte dieser den Sprung zu Orph und den damit verwobenen Geschichten. Kui wurde allmählich mehr, als das was er augenscheinlich war. Wurde Land und Meer und tausend Farben...
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| Orph - Poems for Kui, VÖ: 18.05.2012 |
Ihr vermittelt in eurem Auftreten, also vor allem durch Bandfotos, aber auch durch eure Musik eine gewisse Theatralik. Künstlerisch verbunden mit dem Theaterschauspiel, so macht es den Eindruck. Prächtige Gewänder und Verkleidungen im Stile der Romantik oder des Barock. Wo liegen da die Einflüsse? Spielt euer Herkunftsort Weimar da auch eine Rolle?
Marco: Das kann ich nicht so genau sagen. Ich für meinen Teil mache ja im wirklichen Leben tatsächlich auch Theater- und Bühnenmusik, von daher ist das bestimmt nicht soweit hergeholt. In unserer Musik vollziehen wir immer auch ein Stück weit eine Reise. Die einzelnen Songs können so als Kapitel einer »Fiktion« im musikalischen Sinne verstanden werden. Auf der visuellen Ebene illustrieren die Fotografien für uns dieses Moment. Dennoch wäre Orph in theatralisch-optischem Sinne ja eher bei sehr, sehr frühen Inszenierungen anzusiedeln. Was ich wiederum schon lustig finde. Also für uns ist es eher schön, daß man uns als Publikum so wahrnimmt! Weimar spielt da nur eine indirekte Rolle, obwohl diese Stadt in den frühen Orph-Tagen schon sehr mit uns verwoben war.
Wovon handeln eure Songs? Bleibt ihr eher in einer mythischen Welt oder werden auch persönliche Momente, Erfahrungen reflektiert?
Marco: Ich möchte das nicht so genau ordnen. Die zum Teil mythischen Welten, die wir in den Songs beschreiben, sind ja voll von persönlichen Wahrnehmungen und dadurch gesteuerte Fantasien. Alles um uns ist Bestandteil der Inszenierung und aufgeladen mit vielerlei Gedanken! Unsere Songs handeln von den Schatten, die unaufhaltsam und unentwegt von allem auf dieser Erde Befindlichen herabfallen. Dort gibt es noch das Unergründliche, den Raum für die große Geschichte.
Wie lange hat es letztendlich gedauert, bis euer Debütalbum Poems For Kui im Kasten war? Viele Songs klingen sehr aufwendig und durchdacht. Wie schwer ist es grade bei einem Debüt so viele Komponenten wie Streicher, Bläser oder elektronische Elemente unter einen Hut zu bekommen? Ist es möglich die Songs auch live so umzusetzen oder werden die Songs dann stückweise anders intoniert oder interpretiert?
Marco: Das Album wurde in mehreren Etappen aufgenommen. Ein Gesamtprozess von insgesamt fast 3 Jahren. Irrwitziger Weise sind natürlich auch genau dadurch andere Sounds, Instrumentierungen und Herangehensweisen entstanden, die das Album heute recht vielschichtig wirken lassen. Natürlich werden wir live Teile der Platte anders spielen und instrumentieren. Man schützt sich damit ja auch selbst ein Stück weit vor sich selbst! Ich glaub keine Band der Welt möchte am Ende wie das Playback ihrer eigenen Platte klingen.
Im Mai beginnt eure Tour durch Deutschland. Unter anderem tretet ihr auch auf dem Orange Blossom Special Festival in Beverungen auf. Ein besonderer Auftritt für euch? Immer wieder wird ja behauptet, es sei das Beste unter den kleinen Festivals.
Marco: Ja natürlich! Klar ist jede Vorstellung, die wir nun im Kontext der Plattenveröffentlichung spielen etwas besonderes. Das ergibt sich einfach aus dem Anlass. Aber ein Teil des Orange Blossom Festivals zu sein, ist doch ein magischer Punkt der Tour. Wir sind sehr gespannt!
Sicherlich seid ihr viel mit eurer eigenen Musik beschäftigt, aber was schallt neben Orph noch so durch eure Boxen?
Marco: Aktuell bei mir das neue Tindersticks Album The something rain. Ich mag auch gern den Klang sehr früher Klassikaufnahmen, oder wahlweise über ein kleines Transistorradio gehört.
Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Und viel Erfolg für die kommenden Wochen und Monate.
Termine:
- 16.05. Weimar - E-Werk
- 17.05. Hildesheim - Transeuropa Festival
- 19.05. Mannheim - Maifeld Derby Festival
- 24.05. Berlin - White Trash Fastfood
- 25.05. Leipzig - Noch Besser Leben
- 27.05. Beverungen - Orange Blossom Special Festival
- 30.05. Berlin - Kaffee Burger
- 31.05. Dresden - Societätstheater
- 19.06. Hamburg - Astra Stube
- 24-26.08. Hannover - Bootboohook Festival
präsentiert von abbreviated daylight






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